Homo botanicus

botanisch-theatrale Forschung | „Was wäre, wenn Ihr Zimmerpflanze sprechen könnte?“

Hintergrund und Idee

Die Großraumsiedlung Westhagen entstand in den 70er Jahren, vorrangig als Wohnraum für die Arbeiter von VW. Seit Mitte der 90er Jahre ist Westhagen zunehmend mit städtebaulichen und sozialen Problemen konfrontiert. Grotest Maru begab sich mit der zunächst unscheinbaren Frage „Was wäre, wenn Ihre Zimmerpflanze sprechen könnte?“ unter die BewohnerInnen dieses vielseitigen Stadtteils. Die Zimmerpflanze als Gesprächsanlass wurde gewählt, da schon bei ersten Besuchen des Stadtteils die Affinität vieler BewohnerInnen zur Gestaltung ihrer Fenster mit Pflanzen und auch zum Anlegen kleiner Gärten auffiel. Viele WesthagenerInnen kamen ursprünglich als Flüchtlinge oder Aussiedler aus ländlichen Gebieten und hegen bis heute das Bedürfnis nach einem eigenen Garten, manche bauen sogar Gemüse an. Gespräche über Zimmerpflanzen sollten Auslöser sein, um in Kontakt zu den WesthagenerInnen zu treten, sie von ihren Wurzeln, Sehnsüchten und Wünschen bezüglich ihrer Arbeit, ihrer Integration in eine Wolfsburger Gesellschaft und ihrer Wohnsituation in Westhagen erzählen zu lassen und Austausch zwischen den Kulturen zu schaffen. Die in Interviews gesammelten Geschichten wurden in einem theatralen Parcours mit partizipativen Elementen in leer stehenden Geschäften der Westhagener Bürgerpassage inszeniert. Die Räumlichkeiten sind aufgrund geplanter Immobilienverkäufe seit langem ungenutzt. 

 

Annäherungen und Realisation 

Als erster Schritt wurde im Frühjahr 2014 in der Bürgerpassage in Wolfsburg Westhagen ein „Zimmerpflanzen-Tausch-Laden“ eingerichtet. Der Laden diente als  Anlaufstelle und von hier aus wurden erste Kontakte geknüpft, Interviews geführt und TauschpartnerInnen für Zimmerpflanzen gefunden.

 

Die Interviews wurden in Bild und Ton aufgezeichnet. Über den Tausch ihrer Pflanzen und die temporäre Fürsorge für eine fremde Pflanze lernten die Menschen sich gegenseitig kennen. Über den Sommer 2014 wertete das Team von Grotest Maru die Ergebnisse dieser Arbeitsphase aus und entwickelte erste künstlerische Ideen, die dann in einer intensiven Arbeitsphase des 15-köpfigen Teams im August/September vor Ort in Wolfsburg Westhagen weiterentwickelt wurden und in einem  theatralen Parcours Mitte September zur Aufführung kamen.

 

Ausstattung und Rahmenbedingungen

Die bespielten Flächen und Räume befanden sich alle in den leer stehenden Läden der Einkaufspassage. Sie verfügten über eine funktionierende Infrastruktur (Strom und Sanitäranlagen), mussten jedoch im ersten Schritt gründlich gereinigt werden. Die Ausstattung für Bühne und Kostüme, Werkzeug und Technik wurde zum Großteil aus Berlin aus den Beständen der Theatergruppe Grotest Maru nach Westhagen transportiert, teilweise angeschafft oder von lokalen Medienpartnern kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Institutionen vor Ort, allen voran das Stadtteilbüro Westhagen und die Bonhoeffer Gemeinde, waren bei der Schaffung eines temporären Produktionsbüros sehr hilfreich – es wurden Kopierer, Internet, Tische, Stühle, Geschirr, Töpfe etc. zur Verfügung gestellt. 


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Homo Botanicus
Projektdokumentation | Broschüre
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PHOTOS: ANDREAS KERMANN


VIDEO: MICHAEL ZIMMER



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